Basisinformationen zum Unternehmenspanel

1. Ziele

Das Unternehmenspanel, das mit Unterstützung des Nationalfonds (Schwerpunktprogramm "Zukunft der Schweiz") geschaffen wurde, verfolgt zwei Hauptziele. Erstens geht es darum, ein Instrument zu schaffen, mit dem auf optimale Weise Umfragen im Unternehmenssektor zu spezifischen Themen durchgeführt werden können. Dies erfordert den Aufbau einer laufend aufzudatierenden Adressdatenbank nach klaren Vorgaben. Zweitens soll sichergestellt werden, dass die erhobenen Daten Aussagen ermöglichen, die für die schweizerische Wirtschaft insgesamt aussagekräftig sind. In diesem Sinn muss das Unternehmenspanel, das eine Stichprobe darstellt, gemäss gewissen Merkmalen wie Unternehmensgrösse und Branche "repräsentativ" sein. Auf diese Weise lässt sich in deskriptiver Hinsicht ein Gesamtbild gewinnen, das sowohl für die Unternehmen (Situierung in einem grösseren Zusammenhang) als auch die wirtschaftspolitischen Instanzen (Lagebeurteilung, Vergleiche) von Interesse ist. Die Daten bilden aber auch eine wichtige Voraussetzung für Untersuchungen, die Erkenntnisse zu Wirkungszusammenhängen liefern, die für Wissenschaft und Praxis relevant sind.

Durch die mehrmalige Erhebung von Daten bei demselben Adressatenkreis resultieren eigentliche Zeitreihen auf Unternehmensebene (Panel-Datenbank). Eine solche Zeitreihen-Datenbank steht ab Anfang 2003 zur Verfügung und wird für die Schweiz ein einmaliges Analyseinstrument darstellen.

2. Das Unternehmenspanel

Die Beobachtungseinheit des Panels ist eine Unternehmung (und nicht die einzelne Betriebsstätte). Die Wahl der richtigen Einheit ist bei der Etablierung eines Panels von zentraler Bedeutung. Zu beachten ist zudem, dass die Panelfirmen einem strukturellen Wandel unterworfen sind (Konkurse, Fusionen, Abspaltungen, usw.). Im weiteren ist bei jeder Umfrage festzustellen, für welche Einheit eine Unternehmung (z.B. ganzes Unternehmen vs. wichtigster Unternehmensteil) den Fragebogen ausfüllt. Anhand dieser Informationen, die aus weiteren Quellen ergänzt werden (Zeitungen, Datenbanken, usw.), lassen sich die wichtigsten Unternehmensverküpfungen feststellen. Für unser Panel gingen wir davon aus, dass der Hauptsitz einer Unternehmung die Befragungseinheit darstellt.

Als Grundgesamtheit diente ursprünglich die Betriebszählung 1995. Das Panel wird jeweils der neusten Betriebszählung - jedes dritte Jahr wird eine solche durchgeführt - angepasst. Die Grundgesamtheit wird nach Branchen und Grössenklassen geschichtet und nach drei Sektoren (Industrie, Bau, Dienstleistungen) geordnet. Das Panel besteht aus drei sektorspezifischen Teilstichproben. Die Grössenklassen werden nach einem speziellen Optimierungsverfahren für die einzelnen Branchen unterschiedlich festgelegt. Für jede Grössenklasse (je Sektor) werden unterschiedliche Stichproben-Ziehungssätze gewählt, wobei für die Klasse 3 (grosse Unternehmen) eine Vollerhebung durchgeführt wird (Ziehungssatz 100%).

3. Vertraulichkeit

Die Individualdaten werden auf keinen Fall an Dritte weitergegeben. Die Ergebnisse werden lediglich auf aggregierter Ebene (Branchen, Grössenklassen, usw.) ausgewiesen. Die individuellen Daten dienen als Grundlage für solche Hochrechnungen sowie für die Modellierung von Wirkungszusammenhängen. Auch bei der Publikation der Resultate besteht also keine Gefahr einer Verletzung des Vertraulichkeitsprinzips.

4. Auswertung

Die Umfragedaten werden in einem ersten Schritt deskriptiv ausgewertet. Zu diesem Zweck werden die Daten auf geeignete Weise gewichtet. Die Gewichtung trägt dem Stichprobenplan, den Rücklaufquoten, den Informationen zum Verhalten der Nichtbeantworter (zu diesem Zweck wird jedes Mal bei einer Stichprobe von Nichtbeantwortern eine Kurzbefragung zu einigen Schlüsselfragen durchgeführt) sowie der Beschäftigtenzahl gemäss Grundgesamtheit (auf Vollzeitäquivalente umgerechnet) Rechnung. Soweit wie möglich werden Angaben, die bei einzelnen Fragen fehlen, mit einem speziellen statistischen Verfahren geschätzt ("multiple imputation"). Die Resultate werden in der Regel nach Branchen und Grössenklassen ausgewiesen. Dank der speziellen Art der Gewichtung ergibt sich ein für den privaten Wirtschaftssektor "repräsentatives Bild".

Wie schon erwähnt, bilden die Daten aber auch die Grundlage für die empirische Ermittlung von Wirkungszusammenhängen und damit zur Überprüfung von Hypothesen. Die Ergebnisse dieser Abklärungen sind nicht nur "rein wissenschaftlich" interessant sondern auch eine Voraussetzung für eine zielführende Wirtschaftspolitik. In einer längerfristigen Sicht dient dieser "bescheidene Beitrag" zur Verbesserung der Ausgestaltung wirtschaftspolitischer Massnahmen, was wohl auch im Interesse der Unternehmungen ist.

5. Erklärungen und Definitionen

a) Wirtschaftszweig (Branche)

Zur Abgrenzung der Wirtschaftszweige verwenden wir die NOGA-Klassifikation des Bundesamtes für Statistik. Jede Panelunternehmung ist gemäss dieser Gliederung einer Kategorie zugeteilt (4-stellige Klassen). Diese Kategorien werden im Hinblick auf die Konstruktion der Stichprobe und die Auswertung zu 28 Wirtschaftsklassen aggregiert, die 2- oder 3-stelligen NOGA-Kategorien entsprechen (s. die folgende Tabelle)

Definition der Branchen nach Wirtschaftssektoren

Industrie   Bauwirtschaft   Dienstleistungen  
NOGA Bezeichnung NOGA Bezeichnung NOGA Bezeichnung
15, 16 Nahrungsmittel 45 Bauwirtschaft 50, 51 Grosshandel
17 Textil     52 Detailhandel
18, 19 Bekleidung     55 Gastgewerbe
20 Holz     60, 61, 62, 63, 64 Verkehr/Telekommunikation
21 Papier     65, 66, 67 Banken/Versicherungen
22 Druck/Grafik     70, 71 Immobilien/Verleih
23, 24 Chemie/Pharma     72, 73 Informatik/FuE
25 Kunststoffe     74 Dienstleistungen für Unternehmen
26 Steine/Erden     93 Personenbezogene Dienstleistungen
27 Metallerzeugung        
28 Metallverarbeitung        
29 Maschinen        
31, Elektrotechnk        
30, 32, 331, 332, 333, 334 Elektronik/Instrumente        
335 Uhren        
34, 35 Fahrzeuge        
36, 37 Sonstige Industrie        
40, 41 Energie        

Industrie:

Bau/Dienstleistungen:

b) Unternehmensgrösse

Das Unternehmenspanel basiert auf drei branchenspezifisch definierten Grössenklassen.