Konjunkturumfragen
Vorbemerkung
An dieser Stelle danken wir den Unternehmen herzlich, die regelmässig an den Konjunkturumfragen der KOF, ETH Zürich teilnehmen. Ihre Mitarbeit ermöglicht es uns, wichtige wirtschaftliche Analysen und Forschungsprojekte zu realisieren.
Merkmale der Konjunkturumfragen
Die Konjunkturumfragen liefern aussagekräftige Informationen über die aktuellen und künftigen Konjunkturtendenzen der Schweizer Wirtschaft insgesamt, einzelner Branchen und verschiedener Regionen. Einschätzungen und deren Veränderung über die Zeit lassen insbesondere konjunkturelle Engpässe oder Überkapazitäten erkennen. Erwartungen und Pläne der Wirtschaftssubjekte spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung und können ebenfalls wichtige Informationsquellen sein.Die Merkmale der Konjunkturumfragen können wie folgt zusammengefasst werden:
- Sie werden regelmässig durchgeführt.
- Sie sind absichtlich kurz gehalten (eine, maximal zwei Seiten) und können in Papierform oder per Internet (Onlineumfragen unter http://survey.kof.ethz.ch) ausgefüllt werden.
- Sie beinhalten vorwiegend Fragen qualitativer Art. Die Beantwortung ist wesentlich erleichtert, da keine quantitativen Angaben gemacht werden müssen.
- Es werden nur Fragen gestellt, welche die Unternehmung selbst betreffen.
- Sie sind an leitende, direkt auf dem Markt agierende Personen eines Unternehmens gerichtet. So kann deren Informationsvorsprung genutzt werden.
Geschichte
Die Konjunkturumfragen der KOF feierten im Jahr 2005 ihr 50-jähriges Jubiläum. Sie sind aus der Erfahrungsaustauschgruppe (ERFA) hervorgegangen. Bereits im Jahre 1955 wurden Industrieunternehmen in einem Fragebogen nach ihrer Einschätzung der aktuellen und künftigen Wirtschaftslage gefragt. Mitte der 70er Jahre wurde mit der regionalisierten Auswertung begonnen und die Stichprobe der befragten Unternehmen wurde vergrössert. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre begann die Expansion in die Branchen des Baugewerbes und jene des Dienstleistungsbereichs. Seit 2000 kann der Fragebogen auch per Internet ausgefüllt werden.
Vertraulichkeit der Angaben
Die von den Unternehmen an die KOF übermittelten Angaben werden absolut vertraulich behandelt. Es werden nur aggregierte Daten publiziert, so dass kein Rückschluss auf ein einzelnes Unternehmen möglich ist. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass die KOF dem Bundesstatistikgesetz unterstellt ist.
Qualitative Befragungsmethode
Zu jeder Frage werden in der Regel drei Antwortmöglichkeiten angeboten. Zur Frage nach der Produktion in den kommenden drei Monaten beispielsweise können die teilnehmenden Unternehmen zwischen den Antworten zunehmen, gleich bleiben und abnehmen wählen.
Da die Resultate der drei Antwortkategorien für eine rasche Interpretation der Ergebnisse ungeeignet sind, wird in der Regel ein kompakter Indikator, der sogenannte Saldo, gebildet. Er gibt die überwiegende Tendenz der Entwicklung einer erfragten Grösse wieder und wird international angewendet. Errechnet wird der Saldo aus der Differenz zwischen dem Anteil der positiven und dem Anteil der negativen Meldungen.
Nehmen wir im Beispiel Produktionserwartungen an, dass 300 von 1000 Unternehmen mit zunehmen antworten, 500 mit gleich bleiben und 200 mit abnehmen. Daraus errechnet sich ein Saldo von 10 (30% minus 20%). Der Anteil der positiven Antworten ist nämlich 30%, derjenige der unverändert-Antworten 50% und derjenige der negativen Antworten 20%. Da der Saldo teilweise starken saisonalen Schwankungen und anderen Zufallseinflüssen ausgesetzt ist, wird der Saldo wenn möglich saisonbereinigt und/oder geglättet.
In der Praxis zeigen die so ermittelten Saldi eine hohe Korrelation mit den tatsächlichen Wachstumsraten des vom Bundesamt für Statistik ausgewiesenen Realindikatoren (z. B. Industrieproduktion).
Stichprobe
Gegenwärtig führt die KOF monatlich und quartalsweise Konjunkturumfragen bei insgesamt etwa 8000 Unternehmen durch. Die Unternehmen stammen aus Industrie, Baugewerbe, Handel, Gastgewerbe und Architektur-/Ingenieurbüros, Banken, Versicherungen und weiteren Dienstleistungsbranchen.
Die Stichprobe wird in regelmässigen Abständen erneuert, um die Aussagekraft der Branchenresultate auf Schweizer Ebene und der regionalen Ergebnisse zu gewährleisten. Zudem wird speziell auf die Beteiligung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) geachtet.
Die Rücklaufquoten bei den Konjunkturumfragen sind hoch. Gründe dafür sind der gute Kontakt mit den teilnehmenden Unternehmen sowie das exklusiv und kostenlose Zustellen der Umfrageberichte.
Auswertung
Die differenzierte Auswertung der Konjunkturumfragen ermöglicht Aussagen zu über 100 Produktbereichen und Branchen sowie speziell definierten Auswertungseinheiten (z.B. nach Betriebsgrösse, nach Exportanteil). Die KOF wertet die Konjunkturumfragen nicht nur auf Schweizer Ebene aus, sondern zusätzlich für verschiedene Kantone, diverse Regionen und die sieben BfS-Grossregionen.
Bei der Auswertung werden die Antworten mit Kennzahlen für die Firmengrösse gewichtet. Je nach Auswertungseinheit wird die Bedeutung der beschäftigungsbezogenen Betriebsgrössenklassen einer Branche (gemäss Betriebszählung) und die Bedeutung der verschiedenen Branchen in der Grundgesamtheit (gemäss Wertschöpfungsstatistik) ebenfalls für die Gewichtung berücksichtigt.
Publikation
Die kommentierten Ergebnisse publiziert die KOF in den Berichten «Konjunkturumfrage», welche den teilnehmenden Unternehmen kostenlos zugestellt werden. Zudem erhalten die SGK-Mitglieder die Resultate und Kommentare in gekürzter Form im Bericht «Konjunktur». Eine Zusammenfassung der Ergebnisse geht vierteljährlich an die Presse.
Weitergehende Analysen
Das umfangreiche Datenmaterial aus den Konjunkturumfragen kann vielseitig verwendet werden. Die Identifikation von Indikatoren mit Vorlaufeigenschaften ist von besonderem Interesse, um konjunkturelle Engpässe oder Kapazitätsreserven frühzeitig zu erkennen. Anhand der Mikro- und Makrodaten lassen sich ausserdem Hypothesen der ökonomischen Theorie empirisch überprüfen. Die Resultate fliessen nicht zuletzt in unsere Konjunkturanalysen und -prognosen und die dafür verwendeten Modelle ein.